Das Element Wasser – in der Ruhe liegt Deine Kraft
Teil 7 der Artikelserie über die Fünf Elemente, von Miriam Brandt und Konstantin Rekk, 2. Januar 2026
Es ist Winter. Draußen ist es dunkel und kalt, und je nachdem wo man sich gerade befindet, rieselt der Schnee oder plätschert der Regen. Die gute Nachricht: Dies ist die Zeit, wo wir uns ohne schlechtes Gewissen genüsslich dem Sofa hingeben können. Der Winter ist die Zeit der Wandlungsphase Wasser (chinesisch: shuĭ 水) und symbolisiert die Rückkehr zum Ursprung, tiefe Ruhe und Regeneration. Wir pflegen unser Wasserelement, wenn wir uns jetzt Ruhe gönnen, den Akku aufladen und Zeit für uns genießen.
In diesem Artikel erfährst Du:
- wie das Element Wasser in der Natur und im Menschen gleichzeitig Ende und Anfang sein kann,
- wie Du trotz Ecken und Kanten verschiedene Lebenssituationen im harmonischen Fluss meistern kannst,
- warum stille Wasser-Typen oft unerwartet tiefgründig sind (was schon große Philosophen wie Bruce Lee wussten 😉),
- wie du das Wasserelement durch Qigong-Übungen und einfache Alltagstipps stärken kannst – für mehr innere Ruhe und kraftvolles Agieren.
Das Element Wasser ist die Verkörperung des Fließens per se: es ist nachgiebig und kann jede Form annehmen. In der Weichheit liegt aber auch eine riesige Kraft – im Grand Canyon können wir eindrucksvoll erleben, wie „das Weiche das Harte überwindet“.
Eine bekannte Passage im „Dao De Jing“ (Tao Te King) beschreibt das Wesen von Wasser:
„Das Dao ist wie Wasser.
Es nährt alle Dinge, ohne sie zu bekämpfen oder zu zwingen.
Es fließt in alle Richtungen und ist zugleich weich und stark.
Das Wasser überwindet das Harte, indem es sich anpasst und das Weiche lässt es sich nicht vom Harten überwältigen.“
Auch große Philosophen unserer Zeit haben diese Wahrheit erkannt. So rät Bruce Lee als Li Tsung in der Serie „Longstreet“ seinem Kampfkunst-Schüler:
„Leere deinen Verstand.
Sei gestaltlos, formlos wie Wasser.
Du füllst Wasser in eine Tasse; es wird zur Tasse.
Du füllst Wasser in eine Flasche; es wird zur Flasche.
Du füllst es in eine Teekanne; es wird zur Teekanne.
Jetzt kann Wasser fließen oder es kann zerschmettern.
Sei Wasser, mein Freund.“
So wie sich im Winter die Natur ins tiefste Innere zurückzieht und die Pflanzensamen die Kälte im Boden überdauern, ist die Wandlungsphase Wasser die Zeit des Sammelns und der Regeneration, des Rückzugs und der inneren Einkehr. Im Tagesverlauf ist die Nacht die Zeit des Wasserelements.
Symbolisch steht das Wasser für das Tiefe, Dunkle – die Farbe des Wasserelements ist Dunkelblau bis Schwarz. Gleichzeitig verkörpert das Wasser auch müheloses, kraftvolles Fließen, das immer einen Weg findet. Die Wandlungsphase Wasser erscheint als Abschluss, ist aber gleichzeitig die Grundlage jedes Lebens und ermöglicht so den Neubeginn. Das Wasser treibt den unaufhaltsamen Fluss der Veränderung an; im Wasser werden alle Gegensätze vereinigt und Widersprüche aufgehoben.
Auf Metall kondensiert Wasser – so wird das Element Wasser vom Element Metall genährt. Wasser wiederum nährt das Element Holz, denn Rückzug und Regeneration sorgen dafür, dass wir wieder Energie für neue Aktivitäten haben. Gemäß dem Kontrollzyklus verhindern Dämme aus Erde, dass das Wasser über die Ufer tritt und zerstörerisch wird.
Das Element Wasser im Menschen
Wie alles Leben beginnt auch das menschliche im Wasser. Angetrieben vom (Über-)Lebenswillen des Wassers kommt das Holz zum Keimen, und die Entwicklung beginnt. Diesen Moment der Wandlung des Qi repräsentiert auch der wichtige Energiepunkt Yong Quan: dort wird die Holzqualität innerhalb der Leitbahn der Niere deutlich und und zugänglich (mehr dazu unten).
Gleichzeitig ist das Element Wasser der letzten Lebensphase des Menschen zugeordnet. Wasser beeinflusst die Alterungsprozesse im Organismus: Betagte Menschen werden inkontinent, ihr Gehör lässt nach und ihre Knochen werden brüchiger. In der Phase des Wassers ziehen wir uns aus dem Leben zurück, gehen weniger äußeren Aktivitäten nach und wenden unsere Aufmerksamkeit nach innen. Idealerweise nutzen wir in dieser Lebensphase die Fähigkeit des Wassers zur Kontemplation, die es uns ermöglicht, uns mit unserer tiefsten Essenz zu verbinden und Weisheit zu erlangen.
There are no upcoming events at this time
Die Organe des Wasserelements: Arbeitsministerium und Wasserbehörde
Die Funktionskreise Niere und Blase gehören zum Wasserelement.
Die Niere dient dem Herzkaiser als Ministerin für Arbeit: Sie ist verantwortlich dafür, die notwendige Kraft für Aktivitäten bereitzustellen. Die Qualität des Wassers ermöglicht es uns, diese Kraft kreativ und geschickt einzusetzen. So können wir Arbeit mit dem geringstmöglichen Kraftaufwand ausführen – wie ein Fisch im Wasser. Diese Fähigkeit ist Ausdruck einer Begabung, eines angeborenen Potentials, das entdeckt und entwickelt werden muss. Die Niere ist außerdem verantwortlich für die Sexualität. Sie steuert die Entwicklungsgeschichte (Ontogenese) des Menschen von der Keimzelle bis zum Tod..
Die Blase ist die Oberaufseherin über die Wasserversorgung des Staates. Sie reguliert den Flüssigkeitshaushalt und sorgt dafür, dass alle Organe die richtige Menge Wasser zur Verfügung haben: wo Trockenheit herrscht, muss sie befeuchten; wo Überschwemmung droht, muss sie die Schleusen öffnen und ableiten. Außerdem ist sie auch für die Qualität der Körperflüssigkeiten verantwortlich – Abfallprodukte werden über den Urin ausgeschieden, und die reinen Flüssigkeiten im Körper bereitgestellt. So stellt die Blase sicher, dass alles im Fluss bleibt und wie geschmiert ablaufen kann.
Das Sinnesorgan des Wasserelements sind die Ohren. Außerdem sind Knochen, Knochenmark, Sexualorgane sowie Gehirn und Rückenmark dem Wasser zugeordnet.
JING (jīng 精) und ZHI (zhì 志) – Lebens- und Willenskraft
In der Traditionellen Chinesischen (TCM) und Daoistischen Medizin gilt die Niere als Speicher unserer vorgeburtlichen Essenz, dem Struktivpotential Jing. Dies ist die Lebensenergie, die uns von unseren Eltern mitgegeben wurde; sie bestimmt unsere körperlichen Voraussetzungen und charakterliche Prägung. Jing ist das Fundament für alle grundlegenden Funktionen im menschlichen Körper und ermöglicht Entwicklung und Fortpflanzung. Im modernen westlichen Kontext würde man hier an die molekularen Grundlagen der Strukturen und Informationsflüsse im Körper denken (z.B. Genom, Epigenom, Proteom). Das Jing reagiert mit Shen (s. Teil 4 unserer Artikelserie: Das Element Feuer) und erzeugt Yuan Qi, das ursprüngliche Qi. Yuan Qi ist aktivierte Erbenergie und die Quelle für das Qi aller zwölf Hauptleitbahnen.
Das vorgeburtliche Jing wird im Laufe des Lebens aufgebraucht und kann nicht wieder aufgefüllt werden! Es ist unser Grundkapital, mit dem wir verschwenderisch oder sparsam umgehen können. Daher sollten wir mit unserer Energie haushalten und insbesondere die Nierenenergie sehr gut pflegen. Exzessive Lebensführung, ein Mangel an Erholung, ungesunde Ernährung, übermäßig viel Sex und jede Art von Suchtverhalten erschöpfen das Jing und verkürzen unsere Lebenserwartung. Wie dagegen das Stille Qigong und Meditation auf unser Epigenom wirkt und Dich langsamer altern lässt, haben wir hier beschrieben: Wusstest Du, dass Rumsitzen Dich jünger macht?
Auf der geistigen Ebene ist das Nieren-Qi mit der Willenskraft Zhi verbunden. Zhi bedeutet auch Entschluss, Tatkraft, Ehrgeiz, Streben oder Absicht – alles was wir brauchen, um entschlossen ein Ziel zu verfolgen. Allerdings nicht im Sinne eines Durchsetzens mit dem Kopf durch die Wand, sondern gepaart mit Einfühlungsvermögen und Anpassungsfähigkeit. Das Schriftzeichen Zhi zeigt ein Herz, das auf die Füße wirkt; es steht für den festen Willen, der aktiv und geschickt nach Wegen sucht, seine Wünsche zu erfüllen. Zhi umfasst daher im übertragenen Sinne auch den Willen zur Selbstverwirklichung.
There are no upcoming events at this time
Das harmonische Wasser: Saft und Kraft
Ein starkes Wasserelement lässt uns „in Saft und Kraft“ stehen. Es gibt uns Urvertrauen, Überlebensinstinkt, Mut und Willensstärke. Wir haben die Fähigkeit, Stille und Nichtstun zu genießen. Wenn wir den Dingen auf den Grund gehen und im ruhigen Wasser die Realität so widergespiegelt finden, wie sie ist, können wir mit der geistigen Welt in Verbindung treten und vielleicht einen spirituellen Weg einschlagen.
Im Wasser können wir auch die Essenz unserer Identität erkennen. Eine echte Identität bedeutet: Wir akzeptieren unsere Mängel, Ecken und Kanten und sind trotz aller Unzulänglichkeiten mit den Grundfesten unserer Persönlichkeit zufrieden. Wenn wir der Welt so entgegentreten, können wir uns flexibel an unterschiedliche Situationen anpassen, ohne unseren Kern zu verlieren. Dieses gesunde Gefühl der Identität vermittelt uns existentielle Sicherheit, das Gefühl, den Kräften im Außen gewachsen zu sein.
Die Emotion des Wassers – was uns „an die Nieren geht“
Die Emotionen des Wassers sind Angst und Erschrecken. Angst hat eine wichtige Schutzfunktion für den Körper; dauerhafte Ängste dagegen schädigen die Niere. Im Bemühen, die Essenz zu schützen, kapselt sie sich ab, so dass die Verbindung zum Shen des Herzens verloren geht. Feuer und Wasser kommunizieren nicht mehr, die Nieren werden nicht mehr erwärmt. Dann kann Kälte ungehindert eindringen, und wir erstarren vor Angst. Die gegensätzliche Reaktion auf Angst ist eine ziellose Flucht in blinden Aktionismus: wenn das Shen den Kontakt zur materiellen Basis verloren hat, sind Panik, Herzrasen und eine unkontrollierte Gedankenflut die Folge.
Ein großer Schock oder ein plötzliches Trauma dringen tief ins System ein und können schwerwiegende Schäden verursachen – wir sagen dann, etwas hat uns „bis ins Mark getroffen“. Den Effekt sehen wir unmittelbar als körperliche Reaktion: sind wir in Panik oder erleben einen Schock, kann die Niere die unteren Körperöffnungen nicht mehr kontrollieren, und wir machen uns vor Angst in die Hose.
Störungen im Element Wasser
Auf körperlicher Ebene können sich Störungen des Wasserelements in Blasen- und Nierenkrankheiten, Rückenschmerzen, Osteoporose, Rückenschmerzen, Bluthochdruck, Kopfschmerzen und Überempfindlichkeit manifestieren. Probleme in der Sexualität wie Frigidität bzw. Impotenz sind ebenfalls auf eine Disharmonie im Wasserelement zurückzuführen. Menschen mit gestörtem Element Wasser sind tief erschöpft und antriebslos, oder im Gegenteil rastlos und getrieben.
Auf geistiger Ebene führt ein schwaches Wasserelement zu Passivität, Ängstlichkeit und Misstrauen dem Leben gegenüber – daraus können sich Phobien, Minderwertigkeitsgefühle und Existenzängste entwickeln. Bei einem Übermaß an Wasserelement verlieren wir uns in Ernst und Tiefe. Wir akzeptieren nur noch unsere Wahrheit und „überfluten“ andere damit, im Extremfall bis zu Dogmatismus und autoritärem Verhalten.
Wenn sich das Wasser nicht bewegt, wird es kalt und verschleimt. Das schwächt das gesamte System und zeigt sich in verminderter Libido, häufigem Frieren, trägem Stoffwechsel, Erschöpfung und einem schwachen Immunsystem. Langfristig führt das zu melancholischer Stimmung bis hin zur Depression.
Der „Wasser-Typ“
Ein Wasser-Typ hat oft helle Haut und Augen, weiche, fließende Formen ohne Ecken und Kanten und einen geringen Muskeltonus. Ruhig und mit Urvertrauen geht er seinen Weg durchs Leben. Der Wassertyp wirkt introvertiert, zeigt seine Gefühle nicht und steht nicht gerne im Mittelpunkt. Auch wenn er weich wirkt, sollte man ihn nicht unterschätzen: Hat der Wasser-Typ ein Ziel vor Augen, legt er enorme Willensstärke und Hartnäckigkeit an den Tag.
Die Fähigkeit, sich anzupassen und dennoch bei sich zu bleiben ist die große Qualität des Wassermenschen – er kann buchstäblich „ins kalte Wasser springen“ und in unterschiedlichsten Situationen zurechtkommen. Stille Wasser sind tief: Wasser-Typen sind oft spirituell und an Kunst, Ethik und Philosophie interessiert. Der Archetypus des Wassers ist der Philosoph, griechisch der „Freund der Weisheit“. Ihm geht es darum, die Wahrheit und den Sinn hinter allem zu ergründen und Verborgenes ans Licht zu bringen. Wasser-Typen verachten alles Oberflächliche, und das was andere Menschen so tun empfinden sie zuweilen als banal. Deshalb gelten sie nicht selten als Eigenbrödler, sind gerne für sich und ziehen sich zurück, um nachzudenken.
Ständig auf der Suche nach Ursachen und Hintergründen, zweifelt der Wassertyp oft auch an sich. Das kann zu Schlafstörungen, Nervosität und Angstzuständen führen. Wenn der Wasser-Typ nicht auf sich achtet, kann es bei ihm schnell zu Beschwerden an den Ohren, wie Ohrenentzündungen oder Tinnitus, aber auch zu Osteoporose und Zahnproblemen kommen. Ebenso sind die Unterleibsorgane oft eine Schwachstelle, was sich in Blasenentzündung, Prostataleiden oder Impotenz, aber auch in Rückenschmerzen ausdrücken kann.
Das Element Wasser im Qigong
Qigong-Übungen des Elements Wasser fördern die Speicherung der Energien und Lebensessenzen und unterstützen den Wasserhaushalt. Fließende, sanfte Bewegungen, ähnlich dem ruhigen Fluss des Wassers, fördern den freien Fluss von Qi im Körper. Ein Beispiel dafür ist die Übung „Eine Welle schieben“ aus dem 18fachen Taiji-Qigong. Die Bewegungsrichtung des Wassers ist das Absenken – das nutzten wir z.B. bei der Übung „Auf den Meeresboden absetzen“, die uns in Kombination mit tiefer Atmung in die Nierenregion ins Wasserelement bringt und den gesamten Körper nährt. Besonders die Dantian-Übungen mit der Qi-Atmung und der Übung „Das Feuer unter das Wasser bringen“ stärken die Nierenenergie und harmonisieren die Kommunikation zwischen Herz und Nieren, Feuer und Wasser.
Auch Übungen zur Kräftigung des Beckenbodens unterstützen die Nierengesundheit. Beckenbodentraining ist bei uns Teil jeder Qigong-Stunde, zum Beispiel bei den liegenden Achten.
Die Beinkraft ist ein wichtiger Indikator für den Zustand des Elements Wasser im Körper. Diese fördern wir im Qigong durch das verwurzelte Stehen und viele Übungen – nicht umsonst lautet eine grundlegende Anweisung “Fleißige Beine und Becken – faule Schultern und Arme”. Auch die westliche Medizin erkennt seit langem an, dass die Kraft und Flexibilität der Beine wichtig für die Rückengesundheit sind. Und inzwischen ist sogar eine Zusammenhang zwischen Beinmuskulatur und Gehirn nachgewiesen… mehr dazu werden wir in einem eigenen Blog-Beitrag schreiben.
Zu Beginn jeder Qigong-Stunde akupressieren wir den Punkt Yong Quan, Sprudelnde Quelle, in der Mitte der Fußsohle vor dem Fußballen. Er ist der erste Punkt der Nierenleitbahn, und seine Massage hat viele positive Wirkungen: Sie senkt das Qi ab, beruhigt den Geist und nährt das Yin. Gleichzeitig sprudelt über Yong Quan Qi aus der Tiefe in den Körper; der Punkt wirkt belebend bei Erschöpfung und sogar Bewusstlosigkeit. Er ist ein Lebensquell für Neugeborene, die nicht von alleine atmen: Man kann Yong Quan kräftig mit dem Daumennagel drücken, um den ersten Atemzug des Babys zu stimulieren.
Der Fähigkeit und Weisheit des Wasserelements das Richtige für Dich und Deinen Körper zu tun, begegnen wir auch beim Spontanen Qigong. Beim Spontanen oder Freien Qigong wird befreiende Selbsterfahrung und Selbstheilung möglich, eben weil wir dieser tiefen Intuition in uns vertrauen und das Qi fließen lassen, wie es möchte.
Und nicht zu vergessen: das Sammeln des Qi im Dantian nach jeder Übung hilft unmittelbar, die Essenz aufzubauen und die Nierenenergie zu konsolidieren.
Was kannst Du selbst tun, um das Wasserelement zu stärken?
Für das Wasserelement ist es wichtig, Aktivität und Ruhe in guter Balance zu halten. Also bewege Dich regelmäßig (gerne an der frischen Luft), aber vermeide Dauerstress und achte auf ausreichend Schlaf und Ruhepausen. Gönne Dir Zeit für Nichtstun, Kontemplation und Meditation – gerne auch hin und wieder Langeweile.
Ängste und alte Traumata solltest Du so gut wie möglich aufarbeiten, denn Ängste und zu viele Gedanken an die Vergangenheit gehen uns buchstäblich „an die Nieren“. Sorge für Sicherheit, schaffe Dir einen Anker im Ozean des Lebens.
Achte auf eine gesunde Ernährung. Zu viel Süßes lässt das Erdelement (siehe Artikel 5 unserer Artikelserie: Das Element Erde) überborden, was über den Kontrollzyklus langfristig das Wasserelement schwächt. Die Nieren müssen gut durchspült werden, daher trinke ausreichend – am besten warmes – Wasser. Zu viel trinken solltest Du aber auch nicht, denn die Verarbeitung und Transformation der aufgenommenen Flüssigkeiten benötigt ebenfalls Energie.
Um das Nieren-Qi zu bewahren, solltest Du die Nieren immer schön warm halten und auf warme Füße achten. Ein wichtiger Punkt für die Wasserenergie ist Ming Men, Lebenstor, gegenüber vom Nabel in der Wirbelsäule. Hier ist das ursprüngliche Qi, das Yuan Qi, verankert. Auch dieser Punkt sollte warm gehalten werden – bei bauchfreier Mode im Winter läuft über diesen Bereich viel Qi aus. Von einigen Qigong-Meistern wird berichtet, dass sie sogar im Sommer lange Unterhosen tragen …
Wenn Du das Element Wasser in Deiner Umgebung stärker zur Geltung bringen möchtest, empfiehlt das Feng Shui Zimmerbrunnen oder Aquarien, um eine beruhigende Atmosphäre zu schaffen und die Entspannung zu fördern. Insbesondere fließendes Wasser soll das Qi im Raum positiv beeinflussen.
Das Wasser verwirklicht sich als Weisheit – 智 zhì
Anmerkung: Das Zhì (智) für Weisheit klingt genauso wie wie das Zhì (志) für Willenskraft. Solche Homonyme kennen wir auch im Deutschen, zum Beispiel: der Tau – das Tau, Party – Partie, umfahren und um-fahren und viele mehr. Welches Wort gemeint ist, ergibt sich meist aus dem Zusammenhang.
“Wenn Überlegung und Planung die Angelegenheiten regeln, nennt man das Weisheit.
Deshalb ist es Weisheit (Zhi), die das Leben aufrechterhält.” (Ling Shu, Kap. 8)
Zhi (智 zhì) kann übersetzt werden mit Weisheit, Geist, Klugheit, Fähigkeit. Mit Zhi sind wir fähig zu erkennen, wie die Dinge wirklich sind und erfassen das Wesentliche einer Sache; wir können die Gegebenheiten klar reflektieren und geschickt danach handeln.
Dank der Weisheit können wir erkennen, was das Leben ausmacht und was es für uns bedeutet, ein erfülltes Leben zu führen. Wir können die Quellen des Lebendigen in uns und um uns wertschätzen und unser Leben aktiv nähren. So ist Yang Sheng – das Nähren des Lebens oder die Lebenspflege – eine noch ältere Bezeichnung für Qigong-Übungen und die achtsame innere Haltung, die ihnen zugrunde liegt. Der Funktionskreis der Niere liefert die materielle Grundlage – das Jing – für ein erfülltes Leben. Die zweite Voraussetzung ist das Leuchten des belebenden Geistes – Shen Ming. Nach daoistischer Überzeugung ist die materielle Basis (Jing) erschöpfbar – Shen jedoch ewig vorhanden.
Gestützt auf die Kraft und das Geschick des Wasserelements und inspiriert vom belebenden Geist Shen vermögen wir die Verantwortung für unser Leben hier und jetzt zu übernehmen und es so zu gestalten, dass unsere Lebensspanne sich vollständig erfüllt. Dann erscheint das Lebensende als ein weiterer Moment des natürlichen Wandels, und der Tod als Vollendung eines erfüllten Lebens.
Das ist der letzte Artikel unserer Reihe zu den Fünf Wandlungsphasen oder Elementen, wir hoffen, Du konntest einige neue Erkenntnisse für Dich gewinnen und hast eine Idee, wie Du diese umsetzen kannst. Die praktischen Fähigkeiten dazu kannst Du bei unseren Kursen und Seminaren lernen.
Wir wünschen Dir viel harmonisches Qi und möge Deine Übung gelingen!
Miriam und Konstantin
Wenn Du jetzt neugierig geworden bist und auch in Zukunft Nützliches aus Meditation, Qigong sowie Heil- und Energiearbeit erfahren und über aktuelle Angebote auf dem Laufenden bleiben möchtest, dann abonniere einfach meinen Newsletter:
There are no upcoming events at this time
Probiere es selbst aus! Du bist herzlich willkommen.
Unser Qigong-Angebot in Berlin für Dich:














